ANREISE NACH OBERNDORF

Am 11. September 2015 war es soweit. Es war ein Freitag und ich machte mich nach einer anstrengenden Arbeitswoche auf die Reise von Wien nach Oberndorf bei Kitzbühel. Es war eine schöne ruhige Autofahrt auf dem Weg zu meinem ersten Spartanrace am Fuß des Wilden Kaiser. Ich war so aufgeregt, denn ich konnte mir gar nicht vorstellen was an diesem Wochenende auf mich zukommen wird. Ich kannte nur Videos und Bilder von angestrengten Gesichtern, welche sich im Schlamm herum wühlten und sich über hohe Wände quälten. Ich wusste lediglich, dass ich am Samstag beim Spartanrace Sprint (5+ km & 15+ Hindernisse) und am Sonntag darauf beim Spartanrace Super (13+ km & 20+Hindernisse) an den Start gehen werde. Nach der Ankunft und der bezogenen Unterkunft in St. Johann i. Tirol traf ich mich noch mit Freunden zum Abendessen in Oberndorf. Es war sehr spannend für mich, denn ich konnte meine Neugier anhand von Erzählungen erfahrener Spantanracer zumindest ein bisschen befriedigen, bevor ich mich zur Ruhe begab.


SPARTANRACE SPRINT 12. SEPTEMBER 2015

Gut erholt und mit einem Grinsen im Gesicht wurde ich um 08:00 Uhr in meiner Pension munter. Ein üppiges Frühstück, meine Laufausrüstung gepackt, machte ich mich auf den Weg ins Dorf, um meine Familie zu treffen, welche diesen Morgen erst angereist war. Meine Schwester Sandra hatte sich kurzfristig mit einer Freundin dazu entschlossen, den Sprint mit zu laufen, nachdem sie gehört hatte, dass es dort viel Schlamm geben würde. Familie eingepackt und ein zweites Mal gefrühstückt, ging es dann ab aufs Festivalgelände nach Oberndorf. Es war schon ein buntes Treiben, als wir gegen 11:00 Uhr dort angekommen sind. Da der Start meiner Schwester Sandra erst um 14:00 Uhr und meiner um 14:30 Uhr  war, hatten wir genug Zeit, uns zu registrieren und uns alles in Ruhe anzuschauen. Es gab eine Trainingsstation für Hercules Hoist und Rope Climb, man konnte sich Tattoos aufmalen lassen oder aber auch vor dem Spartan Logo ein Selfie oder Foto schießen. Sowohl für das leibliche Wohl als auch für eine tolle ausgelassene Stimmung wurde durch den Veranstalter bestens gesorgt. 

 

1430 Uhr und ich bin bereits im Startbereich. Meine Schwester schon 30 Minuten auf der Strecke und ich jage ihr nun voller Kraft hinterher. Mit einem stimmgewaltigen "Aroo Aroo Aroo" fällt der Startschuß und mein erstes Spartanrace beginnt. 50 Meter Gatschloch - Yeahhh, 100 Meter Graben - super, 400 Meter die erste Wall und ich dachte mir nur: " Wenn das so weiter geht kannst du mich wegschmeißen nach zwei Kilometern." Nach zwei Kilometern hatten wir dann bereits das Schwimmbad durchquert und der erste Berg hat sich uns vor die Füsse geschmissen. Komplett nass und den ersten Berg hinter mir begann sich mein Körper dann an die Belastung zu gewöhnen und der Spaß begann. Es war einfach Hindernis für Hindernis, immer eine neue Herausforderung und immer musste ich mich neu überwinden, alles zu geben. Es ging immer weiter und weiter bergauf bis zur 2,8 Meter hohen Mauer als es dann endlich bergab ging (glaubte ich). Schwupp di wupp mal über die Mauer geschmissen und ab ging es Richtung Tal. Doch kam erst der wirklich letzte Anstieg und zum Verdruss auch noch der steilste von allen. Auf dem Weg zum letzten Berg, welcher mit dem beliebten Monkeybar gekrönt war, gab es Gott sei Dank noch eine Labestation mit Wasser und Müsliriegel für die letzte Bergwertung. Nach dem Monkeybar, und Hurra Hurra ohne Burpees, ging es dann wirklich scharf bergab in Hartsteinwerk Kitzbühel, der Hölle der Gewichtshindernisse. Ich muss ehrlicherweise gestehen dass ich mit wechselhaften Gefühlen in das Steinwerk eingelaufen bin, da ich keine Ahnung hatte was mir alles noch bevorstand. Unten angekommen gings los mit LKW Reifen ziehen, gefolgt vom Hercules Hoist und dann kam das Angsthindernis: " Spear Throw". Und wisst ihr was der schönste Moment ist beim Spartanrace? Genau wenn ihr zum Speer werfen kommt, dieses Ding noch nie in der Hand hattet, und einfach, weil ihr es könnt, beim ersten Mal das Ziel genau in die Mitte trefft. 80% machen Burpees beim Spear Throw, ich drehte mich um und bemerkte, wie geschätzte 100 Augen mir böse Blicke zuwarfen, als ich an ihnen vorbei lief. Nach dem Steinkübel herumtragen ging es endlich hinunter zum Zielgelände, welches nochmal richtig mit tollen Überraschungen gespickt war. Barbed Wire Crawl, Rope Climb, Cargo Log, Mud Holes, Mud Crawl, die "sehr schlammige" Rope Wall und zum Schluß der Sprung durchs Feuer direkt ins Ziel. Nur wo war meine Schwester abgeblieben??? Ihre Freundin Jasmin habe ich bereits beim Speerwerfen im Steinbruch überholt aber meine Schwester Sandra fehlte noch. Ich hatte kaum meinen Gedanken fertig gedacht  und  mich gerade nach dem Barbed Wire Crawl aufgerichtet, wurde ich auch schon von ihr am Arm gepackt. Vor mir stand meine kleine schlammige Schwester und umarmte mich. Den Rest der Strecke bewältigten wir dann noch gemeinsam im Team . Wir kämpften uns ins Ziel und waren beide sehr stolz darauf, unser erstes Spartanrace überstanden zu haben. Mit der Medaille in der Hand genossen wir den Moment im Ziel, als uns alle gefeiert haben als wären wir eine Familie. Dann erinnerte ich mich auch schon wieder, dass ich am nächsten Tag den Super laufen würde und freute mich schon darauf, was ich dort noch alles erleben würde.

ENDE TAG 1 ERGEBNIS: LÄUFER GESAMT 758, PLATZ GESAMT: 57, M35-39 5. Platz, ZEIT: 59.56 


SPARTANRACE SUPER 13. SEPTEMBER 2015

Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht klingelte an diesem Sonntag bereits um 07:30 Uhr der Wecker zum zweiten Wettkampftag in Oberndorf. Heute hatte ich die Ehre, vor meinem Rennen als Volunteer das Aufwärmen der Startwellen durchzuführen. Es war noch sehr ruhig am Gelände, als wir vom Kursdesigner eingewiesen wurden, wie am heutigen Tag das Aufwärmen stattfinden würde. Es gab eine Premiere beim Aufwärmen, denn es waren heute keine Jumping Jacks und Kniebeugen, sondern es gab eine 2 km lange Aufwärmstrecke zum fliegenden Start, wo das Rennen dann wirklich gestartet wurde. Für mich bedeutete das, dass ich bereits vor meinem Start im letzten Heat 6 km in den Beinen haben würde, bevor es auf die Super Strecke geht. Als es dann soweit war, übergab ich meine Marshall Weste meinem Kumpel und ging gleich ins Rennen über mit dem letzten Heat des Tages. Direkt nach den ersten Aufwärts-Walls ging es auch schon in den ersten Kanal mit fließendem Wasser bergauf in Richtung Skipiste. Durch das Bachbett über Kletterwände hinauf folgte auch schon ein richtig steiler Waldpfad, welcher einfach nur gegangen werden konnte. Hier spürte ich sehr wohl, dass ich bereits am Vortag den Sprint gelaufen war, denn meine Beine waren nicht so ganz die frischesten. Auf der Anhöhe angekommen, wurde mir gleich anders bei dem was ich dort sah. Wenn man hoffte, dass der Anstieg ein Ende haben würde, wurde man sehr kräftig enttäuscht, denn es folgten 20m Barbed Wire Crawl bergauf und danach eine ca. 1 km lange schwarze Skipiste auf den nächsten Hügel hinauf. Nach dem Kriechen und einem ewig dauernden Zick Zack Marsch die Piste hinauf gab es endlich die erste Labestation mit Wasser und Müsliriegeln, denn ich dachte schon ich rolle gleich wieder rückwärts die Piste runter, wenn es nicht bald eine Stärkung gibt.  Frisch gestärkt über die Inverted Wall und dann ging es auch schon bergab ins Tal. Auf dem Weg über Stock und Stein noch schnell ein Balance Hindernis und die Station Chain Carry absolviert, kamen wir im Tal an. Atlas Carry und den Wildbach durchlaufend überquerten wir den Talboden. Climbing Wall ohne Burpees check und schon wieder ging es auf der anderen Seite bergauf. Vorteil oder Nachteil, die Strecke vom Sprint zu kennen, konnte ich mir noch nicht ausmalen, aber anstrengend war es allemal. Den höchsten Punkt des Anstiegs war wieder, wie am Samstag, die Labestation vor dem Monkey Bar. Dieses Mal war mir echt schon schwindelig, da mein Körper nach Energie schrie, und ich war froh, mir zwei Minuten Pause zu gönnen, Müsliriegel in mich reinzustopfen und mit einem halben Liter Wasser runter zu spülen. Monkey Bars check, und es ging wieder bergab in den Steinbruch. Krafthindernisse die Zweite und der Steinbruch machte mir wieder richtig Spaß, was ich aber nicht bei jedem dort entdecken konnte. Als ich dann beim Speerwerfen zum zweiten mal wieder traf, war ich überglücklich, denn ich hatte bis dato noch keine Burpees machen müssen. Happy und voller Energie stürmte ich den Hügel runter mit dem Wissen, dass gleich 30 m Barbed Wire Crawl im Zielgelände auf mich warten würden. Durch gekämpft und echt schon gut fertig mit der Welt, stand ich wieder vor meiner Lieblingsstation, dem Rope Climb. Unterschiedlich zu gestern war heute das Seil richtig schlammig , was dazu führte, dass ich hochsprang und gleich wieder unter rutschte, da es mir unmöglich war, mich nach oben zu ziehen. Ich dachte naja 30 Burpees sind immer noch besser als 120 also habe ich sie runtergepumpt und bin Richtung Ziel gestürmt. Bei der letzten Wall noch fast runtergefallen, aber gerade noch gerettet, war ich dann echt kaputt nach 2:40 h im Ziel und nahm stolz meine zweite Medaille entgegen. Jetzt hatte ich die Rote für den Sprint und die Blaue für den Super im Sack. Alles was nun noch fehlte, war die Grüne für das Beast und meine Trifecta wäre komplett. Aber mehr dazu lest ihr im nächsten Kapitel.

ENDE TAG 2 ERGEBNIS: LÄUFER GESAMT 824, PLATZ GESAMT: 165, M35-39 13.Platz, ZEIT: 2:40:56 



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